Wir haben hochmittelalterliche Beutel aus Leder hergestellt. Auf Veranstaltungen kommt häufig das Bedürfnis Schlüssel, Handy oder Geld bei uns zu haben. Auf unserer Suche nach Taschen und Beuteln schien es zwar praktisch, einen großen Pilgerbeutel aus Stoff oder die Ledertasche am Gürtel zu tragen. Jedoch scheint das im Hochmittelalter im täglichen Leben nicht so weite verbreitet zu sein. Generell scheint nicht jeder ständig eine Tasche benötigt zu haben. Einfache Beutel sind auf Bildquellen wenig vertreten, dafür reichhaltiger in Funden.
Wir haben uns als Tragehilfe für einfache Menschen (im unterschied zum Almosenbeutel von Wohlhabenden) den Lederbeuteln zugewand. Dazu gibt es Funde aus Schleswig, die Ausarbeitung dazu findet ihr am Ende von diesem Beitrag.
Protoypen
Zuerst haben wir die Funde nach passenden Formen durchforstet.



Aus billigem modern gegerbtem weichen Leder haben wir die Funde rekonstruiert. Die Abmessungen entsprechen den Funden. Verziehrungen (Quasten) wurden dort angebracht wo sie aufgrund der Lochung vermutet wurden. Wir haben keine Größenänderungen durch die Lagerung im Boden berücksichtigt, nachträglich betrachtet könnten die Beutel größer sein. Wie stark Leder „eingeht“ werden wir uns bei Gelegenheit ansehen.










Die Beutel
Mit den Prototypen haben wir getestet welche Größe man braucht. Damit wusste jeder was er haben möchte. Aus dem Fachgeschäft unseres Vertrauens haben wir weiches, vegtabil gegerbtes Ziegenleder bekommen. Nach dem Zuschneiden und nähen wurde alles mit ungefärbtem Lederfett eingerieben. Im Langzeittest haben sie sich gut bewährt. Nach 5 Jahren musste einer seitlich neu genäht werden.
Ich trage ihn am liebsten auf einem Lederband am Gürtel, weil sich der Beutel leichter öffnen lässt. Beide Seiten gehen auch, aber ich hab gefühlt ewig gebraucht bis ich die Lederbänder so weit offen hatte um das Geldbörsel herauszubekommen.
Den kleinen Runden Beutel verwende ich für Knochenwürfel, mehr passt da nicht rein. Münzen sind mit zu kritisch, dafür schließt er nicht eng genug.



